von Alexandra Güller

Wechselmodell und Kindesunterhalt - Beispiel und Berechnung


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Wechselmodell und Kindesunterhalt - Beispiel und Berechnung


Immer mehr getrennt lebende oder geschiedene Eltern wählen für die Betreuung ihres gemeinsamen Kindes oder ihrer gemeinsamen Kinder das sogenannte Wechselmodell. Für die Frage des Kindesunterhalts ist das Wechselmodell nur dann von Relevanz, wenn die Betreuung des Kindes bzw. der Kinder von beiden Elternteilen je zur Hälfte wahrgenommen wird. Auch wenn der barunterhaltspflichtige Elternteil weit über das übliche Umgangsrecht das Kind bzw. die Kinder betreut, so dass sich dies bereits einer Mitbetreuung annähert, hat dies keine Auswirkungen auf das allein entscheidende Schwergewicht der Betreuung. Es kann eine Betreuung im Verhältnis 60% zu 40% vorliegen, der weniger betreuende Elternteil bleibt weiterhin allein barunterhaltspflichtig.

Bisher keine einheitliche Regelung bei Wechselmodell

Es gibt bisher keine einheitliche Regelung, wie der Kindesunterhalt zu berechnen ist, wenn das Wechselmodell praktiziert wird. Eine immer mehr praktizierte Berechnungsmethode soll hier aufgezeigt werden, die auch praktikabel für die Eltern ist.

Beispiel

Die geschiedenen Eheleute M und V betreuen den gemeinsamen 11 jährigen Sohn S im Wechselmodell. M hat ein monatliches Nettoeinkommen in Höhe von 1.600,00 Euro, V ein monatliches Nettoeinkommen in Höhe von 2.500,00 Euro.

Berechnung

Zunächst wird das Einkommen beider Eltern M und V addiert. Das Gesamteinkommen beträgt 4.100,00 Euro. Nach dem Gesamteinkommen wird der Unterhaltsbedarf von S anhand der Düsseldorfer Tabelle bestimmt. Der Kindesunterhalt richtet sich in diesem Fall nach der 8. Einkommensgruppe und der 2. Altersstufe. Der Tabellenbetrag beträgt 542,00 monatlich.

Der Unterhaltsbedarf in Höhe von 542,00 Euro ist um einen Mehrbedarf von regelmäßig 100,00 Euro erhöht, da es aufgrund der gemeinsamen Betreuung grundsätzlich zu Mehrkosten kommt. Dieser kann im Einzelfall höher oder geringer ausfallen. Der Unterhaltsbedarf für S beträgt damit 642,00 Euro.

In einem zweiten Schritt ist zu ermitteln, wie dieser Unterhaltsbetrag auf beide Elternteile aufzuteilen ist. Dafür zieht man vom jeweiligen Nettoeinkommen jeden Elternteils den sog. notwendigen Selbstbehalt ab, der aktuell 1.080,00 Euro beträgt. Für die Berechnung des Anteils, den M für den Unterhalt für S zu zahlen hat, steht ein Einkommen nach Abzug des notwendigen Selbstbehalts in Höhe von 520,00 Euro (1.600,00 Euro minus 1.080,00 Euro) zur Verfügung. Auf Seiten von V steht ein Einkommen zur Verfügung in Höhe von 1.420,00 Euro (2.500,00 Euro minus 1.080,00 Euro).

Unterhaltsanteil M:

642,00 Euro x 520,00 Euro : (520,00 Euro plus 1.420,00 Euro)

gleich 172,00 Euro

Unterhaltsanteil V:

642,00 Euro x 1.420,00 Euro : (520,00 Euro plus 1.420,00 Euro)

gleich 470,00 Euro

Verrechnung Kindergeld

In einem weiteren Schritt ist das Kindergeld hälftig zu verrechnen. Bei demjenigen Elternteil, der das Kindergeld bezieht, wird das hälftige Kindergeld zu dem Betrag hinzugerechnet, den dieser Elternteil für das Kind zu zahlen hat. Bei dem anderen Elternteil wird das hälftige Kindergeld von dem Betrag abgezogen, der für das Kind von diesem Elternteil zu zahlen ist. Erhält in diesem Beispiel M das Kindergeld, so erhöht sich der Anteil von M am Gesamtkindesunterhalt um 94,00 Euro, und somit auf einen Anteil in Höhe von gesamt 266,00 Euro. Der Anteil von V verringert sich um 94,00 Euro auf 376,00 Euro. Es ergibt sich nach wie vor der errechnete Bedarf für S in Höhe von 642,00 Euro monatlich.

Abschließende Berechnung und Zuweisung

Abschließend wird berechnet, welcher Elternteil an den anderen Elternteil Kindesunterhalt zu zahlen hat und in welcher Höhe. Hierfür wird ermittelt, welcher Elternteil nach der bisherigen Berechnung mehr als die Hälfte des Gesamtbedarfs des Kindesunterhalts zu zahlen hat. Die Differenz zwischen seinem Unterhaltsanteil und der Hälfte des Gesamtbedarfs ist an den anderen Elternteil auszuzahlen.

V hat im Beispielsfall einen Unterhaltsanteil am Kindesunterhalt zu leisten in Höhe von monatlich 376,00 Euro. Die Hälfte des Gesamtbedarfs in Höhe von 642,00 Euro beträgt 321,00 Euro. Die Differenz, mithin 55,00 Euro, hat V an M als Kindesunterhalt zu zahlen.

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Autor dieses Fachartikels

Fachanwältin Alexandra Güller
Alexandra Güller

Fachanwältin für Familienrecht

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