"Was bekomme, ich wenn ...?" - Ratgeber-Serie mit Fallbeispielen und Berechnungen

Zugewinnausgleich für getrennt lebendes Ehepaar ohne Gütertrennung

„Für mich war es nach der Trennung schlimmer, weil ich mein Leben völlig auf ihn eingestellt hatte. Nun geht es nicht nur um einen Neuanfang. Auch finanziell müssen wir eine klare Trennung ziehen.“

Eine 40-jährige Mandantin fragte uns, wie die vorhandenen Vermögenswerte, die sie und ihr Ehemann im Laufe der Ehe gesammelt hatten aufgeteilt würden. Da beide recht jung und ohne Vermögen in die Ehe gingen, hatten sie keinen Ehevertrag oder spezielle notarielle Vereinbarungen wie Gütertrennung oder Gütergemeinschaft vereinbaren lassen. Daher lebten die beiden während ihrer Ehe in der sogenannten Zugewinngemeinschaft.

In einem Beratungsgespräch klärten wir erst einmal den Sachverhalt

„Nach Ihren eigenen Angaben verfügen Sie selbst über ein Vermögen in Höhe von 20.000 Euro aus einer Erbschaft, Ihr Mann über 100.000 EUR durch Erlöse und Boni aus seiner freiberuflichen Tätigkeit. Beide Vermögen sind während der Ehe entstanden und auf getrennten Konten angelegt worden. Da kein Ehevertrag vorliegt, muss am Ende Ihrer Ehe – und Sie haben ja nach anfänglichem Zögern einer Scheidung zugestimmt – der Zugewinn zwischen beiden Teilen ausgeglichen werden.

Um dies zu ermitteln, betrachtet man zunächst das Anfangsvermögen - also den Vermögens- bzw. Schuldenstand zum Zeitpunkt der Eheschließung. Dann ermittelt man das Endvermögen. Als Stichtag für das Endvermögen gilt der Tag der Zustellung des Scheidungsantrages. Die Betrachtung des Anfangs- und des Endvermögens erfolgt für jeden Ehegatten getrennt.“

Unserer Mandantin war das bereits bekannt, nun wollte sie Klarheit über das was sie als Zugewinnausgleich zu erwarten hatte

„Das Anfangsvermögen wird vom Endvermögen abgezogen. Ihr Mann hat also einen Zugewinn in Höhe von 100.000 Euro erzielt, denn sein Anfangsvermögen war Null. Auf Ihrer Seite liegt ein Endvermögen von 20.000 Euro vor. Da die 20.000 Euro aus einer Erbschaft stammen, sind diese ebenfalls ins Anfangsvermögen einzustellen (sog. „privilegierter Erwerb“) und vom Endvermögen in Abzug zu bringen. Damit ergibt sich folgende Berechnung:"

Berechnung des Zugewinnausgleichs

100.000 Euro (Vermögen Ehemann) minus 0 Euro (Vermögen Ehefrau) = 100.000 Euro

Zugewinnausgleich = 100.000 Euro geteilt durch 2 = 50.000 Euro

"Ihr Mann ist verpflichtet, die Hälfte des Betrags in Höhe von 50.000 Euro als Zugewinnausgleich an Sie zu zahlen."

Ratgeber-Download

Sie können sich diese Ratgeber-Reihe auch als PDF-Datei auf Computer, Tablet oder Mobiltelefon herunterladen.

Download PDF-Booklet

Familienrecht-Ratgeber: "Was bekomme ich wenn ...?"

Autorin dieser Ratgeber-Reihe

Fachanwältin Dr. Urte Andrae
Dr. Urte Andrae

Fachanwältin für Familienrecht

Erstberatung